Interview "Klare Worte"

“Ein Weg der kleinen Schritte”

04.03.2025

Georg Bursik, Geschäftsführer des Baustoffherstellers Baumit in Österreich, findet im Gespräch mit der Bauzeitung „Klare Worte“. Er spricht über das schwierige Jahr 2024, das noch schwierigere Jahr 2025 – und wie die Politik der Bauwirtschaft helfen könnte.

Baumit Österreich-Geschäftsführer Georg Bursik.© Baumit GmbH-APA-Fotoservice-Juhasz.
Baumit Österreich-Geschäftsführer Georg Bursik.
© Baumit GmbH-APA-Fotoservice-Juhasz.

Georg Bursik über die Geschäftsentwicklung bei Baumit in Österreich:
2024 war ein extrem schwieriges Jahr für den gesamten Wohnbau – und damit auch für uns: Unser Umsatz ist um rund zehn Prozent gesunken. Beim Ergebnis war der Rückgang aufgrund der gestiegenen Kosten für Personal und Rohstoffe sogar noch stärker. Ich bin langfristig sehr zuversichtlich. Die Bevölkerung wächst, und die Menschen müssen irgendwo wohnen. Aber kurzfristig gehe ich davon aus, dass der Markt 2025 noch einmal zurückgehen wird. Das gilt auch für unser Geschäft: Was nicht gebaut wird, wird auch nicht verputzt und nicht gedämmt. Ab dem zweiten Halbjahr könnte sich die Lage dann bessern. Mit einer echten Erholung rechne ich allerdings erst in 2026.

Sanierungsturbo nicht gezündet

Über eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt hat:
Die Förderungen für thermische Sanierungen sind 2024 deutlich aufgestockt worden. Die gesamte Branche hatte gehofft, dass das breit genutzt wird. Die unsichere wirtschaftliche Lage kam leider dazwischen. Die Leute sind vorsichtig und trauen sich oftmals nicht, größere Investitionen wie zum Beispiel die thermische Sanierung der Fassade zu tätigen. Zudem kam Ende des Jahres die Nachricht, dass die Fördertöpfe ausgeschöpft sind. Ein weiterer Wermutstropfen: Ein großer Teil dieser Fördergelder wurde für den Einbau von Wärmepumpen verwendet. Der Bauwirtschaft hat das relativ wenig gebracht. Nun hoffen wir auf neue Impulse aufgrund des Auslaufens der KIM-Verordnung.

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Wie es im Bereich der thermischen Sanierungen weiter gehen wird:
Wir wissen es natürlich nicht. Aber die neue Regierung wird sparen müssen. Ich vermute daher, dass bei den Förderungen für thermische Sanierungen heuer nicht viel zu erwarten ist. Dafür habe ich ein gewisses Verständnis. Aber langfristig gesehen ist klar: Dämmung rauf bringt’s! Je besser die Dämmung, desto höher die Behaglichkeit und desto geringe der Energieverbrauch und die Energiekosten. Sie senkt die Kosten für Heizung und Klimatisierung – und sie spielt natürlich eine große Rolle bei der Reduktion der CO₂-Emissionen.

Was er sich von in Sachen Bürokratieabbau von der Politik wünscht …
Die Politik hat eine Reihe von Möglichkeiten, die Bauwirtschaft zu unterstützen und das Wohnen für die Menschen leistbarer zu machen. Allen voran sehe ich da das Thema Bürokratieabbau. Ich denke zum Beispiel an die Tiefgaragenverordnung in Wien. Sie schreibt vor, dass für jede neue Wohnung auch ein Tiefgaragenplatz geschaffen werden muss. Warum überlässt man das nicht dem Bauherrn? Viele Menschen besitzen in der Stadt gar kein Auto mehr. Der Investor sollte das selbst entscheiden können. Ein anderes Beispiel betrifft die Barrierefreiheit. Warum muss jede Wohnung barrierefrei sein? Eine bestimmte Anzahl genügt. Und das sind nur zwei Beispiele. Ich sehe hier viel Potenzial, das Bauen zu vereinfachen und damit für die Käufer und Mieter erschwinglicher zu machen. In Deutschland hat man das mit der Gebäudekategorie E bereits umgesetzt.

… und was die Politik sonst noch tun könnte, um die Bauwirtschaft anzukurbeln:
Die Wohnbauförderung sollte wieder zweckgewidmet werden – statt sie für das Stopfen von Budgetlöchern zu verwenden. Ich halte einen Sanierungscheck für die Wärmedämmung für ein sinnvolles Mittel. Und man könnte die Steuerlast für Arbeit senken, damit für die Menschen mehr vom Bruttogehalt übrigbleibt und die Lohnkosten sinken. Aber ich fürchte: „Das ist wohl ein Wunsch ans Christkind“.

Über die Umsetzung des EU Green Deals:
Die Dekarbonisierung ist wichtig. Aber es gibt Bereiche in der Industrie, wo die Transformation sehr schwierig und sehr teuer ist. Dort sind Milliarden-Investitionen notwendig. Wir müssen in Österreich und Europa aufpassen, dass die Industrie nicht abwandert – und dann woanders auf der Welt Emissionen erzeugt werden, die Arbeitsplätze aber nicht mehr in der Region sind. Ich plädiere daher für einen Weg der kleinen Schritte: Dort ansetzen, wo es zu sofortigen Kosten- und Energieeinsparungen kommt: Wärmedämmung von Neubauten und Bestandsgebäuden ist so ein Schritt.