Unsere Partner sind unser Kapital
Seit Juli 2024 Ist Air-Cond International Teil der Carrier Gruppe. Was bleibt von einem österreichischen Mittelständler nach der Integration in einen US-Giganten? Bianca Jeller, Administration Director und Head of Marketing & Accounting und Christian Fitz, Sales Director im Exklusivinterview.
Gebäude Installation: Air-Cond ist seit einem knappen halben Jahr Teil des Carrier Konzerns, ergeben sich dadurch Veränderungen für Ihre Kunden? Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag verändert?
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Bianca Jeller: Carrier hat die gesamte Firma übernommen, nicht nur einzelne Assets. Die Verantwortung liegt nach wie vor hier bei uns, operativ, nach außen hin für unsere Kunden hat sich nichts geändert.
Christian Fitz: Wir werden sukzessive mehr und mehr integriert und haben großes Mitspracherecht. Bis Mitte 2024 waren wir ein reiner Kunde, jetzt sind wir eine interne Abteilung, und ganz nahe an unserem Produzenten, das ist ein immenser Vorteil. Unsere Zukunft ist gesichert, Air-Cond wird weiter bestehen.
Bianca Jeller: Wir sind im Konzern angekommen und fühlen uns auch gut aufgehoben.
Wie steht es um die Exportmärkte?
Christian Fitz: Wir haben seit 1999 das Exklusivvertriebsrecht für elf Länder und sind für Toshiba eine wichtige Stütze in Central, South East Europe. Diese Märkte entwickeln sich gut und viele unserer lokalen Partner in den Ländern arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich mit Air-Cond zusammen.
Werden Sie weiter zweistufig am Markt auftreten?
Christian Fitz: Der Großhandel spielt für uns keine Rolle. Der absolut überwiegende Teil unserer Kunden sind Ausführende, zu denen wir intensiven Kontakt halten wollen. Würden wir über den Großhandel verkaufen, dann würden wir diese Kunden- und Marktnähe verlieren. Für mich ist der direkte Kontakt zu unseren Kunden Garant für Qualität. Wir arbeiten mit rund 200 aktiven und zertifizierten Partner in Österreich zusammen, die sich verpflichten, unsere Schulungen zu besuchen. Es ist das Zusammenspiel von Topqualität unserer Geräte und Topqualität der Installation durch unsere Partner, die die Qualität sichern. Unser Kapital sind unsere Kunden, die wir noch stärker unterstützen wollen.
Würden wir über den Großhandel verkaufen, dann würden wir diese Kunden- und Marktnähe verlieren.
Welchen Support bieten Sie Ihren Partnern?
Christian Fitz: Wir unterstützen unsere Partner bei der Planung und bei der Auslegung von Projekten. Wir veranstalten regelmäßig technische Trainings im Haus und Produktschulungen, selbstverständlich ist unser technischer Support auch ein entscheidender Faktor für den Erfolg.
Wie ist das Geschäft im letzten Jahr gelaufen?
Christian Fitz: Ich sehe die Klimabranche stark wachsend. 2024 ist gut gelaufen, weil es warm war. Nach dem herausfordernden Jahr 2023 sind wir letztes Jahr im Home Segment um 30 Prozent gewachsen. Der private Kunde war bereit zu investieren, das Wetter hat uns in die Hände gespielt.
Bianca Jeller: Klimaanlagen zählen heute zur Standardausstattung in nahezu jedem Haus und Gebäude, auch in Hotels oder Krankenhäusern. Eine Klimaanlage ist kein Luxusgut mehr. Im letzten Jahr gab es im Sommer aufgrund der extremen Temperaturen einen echten Booster, wir sind, wenn man so will, Profiteure des Klimawandels.
Eine Klimaanlage ist kein Luxusgut mehr.
Mit welchen Erwartungen starten Sie in das Jahr?
Christian Fitz: Wir erwarten einen sehr starken Jahresbeginn, unsere Kunden sind dabei, die Aufträge abzuarbeiten. Wenn es im letzten Sommer sehr heiß war, dann wird das Frühjahrsgeschäft erfolgreich, so unsere Erfahrung. Im Businessbereich hinken wir ein wenig hinterher. Ich bin aber zuversichtlich, es sind viele neue Projekte am Markt. Ich hoffe, dass Stabilität in den Markt kommt.
Sie vertreiben seit einiger Zeit auch Luft-Wasser Wärmepumpen. Wie hat sich die Sparte bei Air-Cond entwickelt?
Christian Fitz: Im Jahr 2022 gab es einen echten Boom. Das Geschäft hat sich 2024 auf einen normalen Pegel eingependelt. Einen Boom wie in den Jahren zuvor werden wir so schnell nicht wieder erleben. Der Markt wird aber weiter wachsen. Die Wärmepumpe ist alternativlos, emissionsfrei und nachhaltig, es wird sie geben müssen. Aber wenn die Politik verspricht, Du bekommst Förderungen von rund 16.000.- Euro und dann sind diese Fördertöpfe über Nacht plötzlich leer, dann ist das ein falscher Weg. Die Verunsicherung ist extrem groß.
Ein stark diskutiertes Thema in der Branche ist die F-Gase Verordnung, die direkte Auswirkungen auf den Markt für Klimageräte, wie auch Wärmepumpen hat. Treibhausgase mit hohem GWP sollen eingeschränkt, beziehungsweise verboten werden.
Christian Fitz: Energieeffizienz, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit sind bei Toshiba das Wichtigste und Qualitätskriterium bei allen Neuentwicklungen – auch im Hinblick auf die Kältemittel. Toshiba war eines der ersten Unternehmen, das Geräte mit R 410 A auf den Markt gebracht hat. Toshiba sieht sich in der Verantwortung, als Innovator aufzutreten. Die Diskussionen um die F-Gase Verordnung sehe ich problematisch, wir stehen dazu mit vielen Branchenkennern im Gespräch. Die F-Gase Verordnung an sich gibt klare Regelungen vor…
Bianca Jeller: … sie regelt aber nicht, wie die konkrete Ausführung auszusehen hat! Es gibt verschiedene Auslegungen. Allein der Passus „in Verkehr bringen“ wird unterschiedlich interpretiert. Was heißt das? Verzollung, Einfuhr, Verkauf, das kann uns niemand genau sagen. Auch bei der Aufstellung und dem Brandschutz gibt es offene Fragen. Die Verbände sind gefordert. Wir erwarten eine klare Regelung der Auslegung, die in ganz Europa gilt.
Wie hat die Digitalisierung Ihr Unternehmen verändert, wie setzen Sie sie ein?
Bianca Jeller: Man kommt um die Digitalisierung nicht herum, immer mehr Prozesse werden digitalisiert. Vor kurzem haben wir das Fax zu Grabe getragen. Vor rund 3 Jahren haben wir auf die digitalisierte Archivierung umgestellt. Auch digitales Marketing ist immens wichtig! Wir optimieren laufend unsere Prozesse.
Christian Fitz: Unser Ziel ist das papierlose Büro. Wir gliedern uns damit dem Konzerndenken an. In großen Unternehmen, wie Carrier macht das im Hinblick auf ökologische Aspekte auch viel Sinn. Die Druckauflagen unserer Kataloge werden immer geringer. Es gibt aber nach wie vor Bedarf: je weiter wir in Richtung Süden gehen, desto wichtiger ist ein Katalog in Papierform.
Und wenn wir an Ihre Produktrange denken, inwieweit hat die Digitalisierung Einzug gehalten?
Christian Fitz: Selbstverständlich bieten die Geräte unseres Herstellers digitale Features. Die Steigerung der Energieeffizienz ist dabei das wichtigste Ziel. Je besser man das Anwenderprofil und die Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel den Wetterbericht kennt, desto genauer kann ein Gerät die Anforderungen erfüllen.
Der Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu. Durch welche Maßnahmen könnte man gegensteuern? Ist auch Air-Cond betroffen?
Bianca Jeller: Wir sind aktuell gut aufgestellt. Der Fachkräftemangel in der Klimabranche ist aber dauerevident. Der Lehrberuf ist bei den Jugendlichen offensichtlich nicht attraktiv genug, und jene Interessierten, die sich um einen Job bewerben, haben Gehaltsvorstellungen jenseits jeder Realität. Warum 40 Stunden und mehr arbeiten, wenn ein Influencer auf Social Media von zu Hause aus ein Vielfaches verdient? Diese Scheinwelten verzerren und sind gefährlich.
Christian Fitz: Die ganze Branche leidet massiv unter dem Fachkräftemangel. Eine langjährige Firmenzugehörigkeit ist für Viele heute nicht mehr so wichtig. Früher war man stolz, bei einer Firma mit großem Namen zu arbeiten, das hat sich stark verändert, große Namen bröckeln. Der Fachkräftemangel treibt die Lohnspirale nach oben, die Mitarbeiter wechseln viel häufiger. Wir setzen auf Kontinuität, wir haben sehr viele langjährige Mitarbeiter.
Was wünschen Sie sich von der künftigen österreichischen Bundesregierung?
Bianca Jeller: Ich wünsche mir Stabilität, klare und langfristige Regelungen für die Wirtschaft, auch im Hinblick auf Förderungen.
Christian Fitz: Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist abhängig von Vertrauen und Stabilität in die Politik. Wir haben leidvoll mit ansehen müssen, wie das Hin und Her zu einer massiven Verunsicherung geführt hat. Förderungen sind wichtig für den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern. Die Förderungen für den Ausstieg aus den Fossilen von heute auf morgen abzusetzen, verursachte ebenfalls große Unsicherheit. Wir brauchen klare Rahmenbedingungen, Stabilität als deutliches Signal für die Wirtschaft.
Bianca Jeller hat ihre berufliche Karriere bei Air-Cond vor 18 Jahren gleich nach der Matura in der Auftragsabwicklung begonnen. Die zweifache Mutter absolvierte berufsbegleitend das Studium Marketing & Sales. Sukzessive hat sie im Unternehmen mehr Verantwortung übernommen, war lange Jahre rechte Hand des ehemaligen Eigentümers Jürgen Unterrainer. Im Herbst 2019 wurde Jeller die Prokura übertragen. Sie ist seither Administration Director und Head of Marketing & Accounting und verantwortet die Bereiche Personal, Finanzen und Marketing.
Christian Fitz ist vor 22 Jahren als Quereinsteiger zu Air-Cond gekommen und hat seine Laufbahn im Unternehmen im Verkauf begonnen. In Folge ist er zum Verkaufsleiter aufgestiegen, 2019 wurde ihm die Prokura übertragen und als Sales Director zählen der Ein- und Verkauf zu seinen Agenden.