Im Brennpunkt

Auf dem Holzweg

02.04.2025

Die Ausstattung von Hotels und gastronomischen Betrieben ist für viele Tischlereien ein wichtiges Standbein. Und auch für Hoteliers ist der Holzweg durchaus die richtige Wahl, wenn nachhaltige Richtungsänderungen in Sachen Investitionen anstehen.

Um als Tischlerei im Segment Hotel- und Gastroausstattung erfolgreich reüssieren zu können, sind Expertise, Engagement und Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe ausschlaggebend für einen nachhaltigen Erfolg. Eine zentrale Voraussetzung, dieses Geschäftsfeld am Laufen zu halten, liegt allerdings außerhalb der eigenen unternehmerischen Verantwortung: Gemeint ist die Investitionsbereitschaft der Tourismusbranche, die in den letzten Jahren von einer wahren „Achterbahnfahrt“ der Entwicklungen begleitet und beeinflusst war. Das Tischler Journal geht u.a. den Fragen nach, welche Entwicklungen für die Zukunft zu erwarten sind, was sich die Tourismusbranche von Tischlereibetrieben erwartet und welche Rolle Holz und Handwerk als Buchungsgründe spielen.

Tourismus im Wandel

Thomas Reisenzahn
„Österreich ist weltweit führend in Sachen nachhaltiger Tourismus. Der Werkstoff Holz spielt dabei eine Rolle von zentraler Bedeutung“, so Thomas Reisenzahn von Prodinger Tourismusberatung. © Prodinger Tourismusberatung

Thomas Reisenzahn beschäftigt sich als Geschäftsführer bei Prodinger Tourismusberatung intensiv mit all diesen Themen: „Wir erstellen pro Jahr Machbarkeitsstudien für 40 bis 50 Neu- und Umbauprojekte. In dieser strategischen Arbeit schlägt sich der gesellschaftliche Paradigmenwechsel als Auswirkung unseres Zeitalters der Umbrüche nieder – denn dieser betrifft natürlich auch stark die touristischen Entwicklungen“, erklärt der erfahrene Touristiker, der mittlerweile seit zehn Jahren in der Prodinger Beratungsgesellschaft mit dabei ist. Das Unternehmen betreut rund 500 Hotelbetriebe vor allem in alpinen Bereich, hier wiederum hauptsächlich Familienbetriebe im deutschsprachigen Raum.

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Was ist mit diesen Umbrüchen konkret gemeint? „Die Entwicklung ging von einer Freizeit- stark hin zu einer Erlebnisgesellschaft und wird nun mehr und mehr zu einer Gesellschaft auf Sinn-Suche. Für diese spielt die Nachhaltigkeit in all ihren Facetten eine zentrale Rolle.“ Womit wir beim Werkstoff Holz angekommen wären. Denn dieser steht für Beständigkeit, er kann sowohl traditionell als auch modern verarbeitet werden. „Holz ist der mir einzig bekannte Werkstoff mit ästhetischer und technischer Dauerhaftigkeit“, sagt Matteo Thun, der ebenso die Vielseitigkeit dieses Materials schätzt. „Holz findet Verwendung als Boden, Wand, Decke, Fassade, Möbelstück und vielem mehr.“ Der gebürtige Südtiroler ist einer der renommiertesten und gefragtesten Architekten der Welt, der in den vergangenen Jahrzehnten quer über die Kontinente seine sehenswerten Spuren hinterlassen. So – Achtung, Spoiler – vor kurzem auch in Tirol – dazu aber später im Detail.

Investitions-Talsohle durchschritten

Ein weiteres Fazit vorweg: Holz(-Handwerk) und Hotellerie gehören zusammen. Damit diese Verbindung für alle Involvierten weiterhin als Erfolgsmodell reüssiert, sind Investitionen in den touristischen Neu-, Aus- und Umbau notwendig. Aber wie stellen sich die Entwicklungen dar? „In den Jahren 2023 und 2024 sind die Investitionen im Vergleich zu 2019 um rund 30 Prozent eingebrochen. Aktuell zeichnet sich ab, dass 2025/26 wieder das Niveau von 2019 erreicht werden wird“, antwortet Reisenzahn, denn: „Der heimische Tourismus muss viel Geld in die Hand nehmen, um keine Marktanteile zu verlieren – zum Beispiel gegenüber Südtirol, wo Hotel-Neubauten stark gefördert wurden.“ In diesem Zusammenhang ein kleiner „Ausflug“ in die Politik, denn für den Touristiker ist in dieser Hinsicht im Koalitionspapier ein wichtiger fiskalpolitischer Punkt festgeschrieben, den man als Berater während der Verhandlungen eingebracht hatte. Konkret geht es um die sogenannte Aufwertungsbilanz: In Südtirol wurde während der Corona-Zeit die Möglichkeit geschaffen, die stillen Reserven – von welchen Hotels in der Regel sehr viele haben – in das Eigenkapital aufzuwerten und dadurch bessere Kredite zu erhalten. „Bei einer Umsetzung in Österreich wäre das für die Investitionen im Tourismus und damit auch für die Holzbranche ein enormer Turbo.“

Holz vermittelt Sicherheit

„In turbulenten Zeiten suchen die Gäste sichere Rückzugsorte, die Naturverbundenheit ausstrahlen. Dafür ist der – im Idealfall aus heimischen Wäldern stammende – Werkstoff Holz essenziell und wir setzen ihn ebenso wie Stein und organische Textilien in unseren Projekten zentral ein“, sagt Reisenzahn. Dass dieser Einsatz gut ankommt, belegen neben Buchungszahlen und Gästestimmen mittlerweile auch verschiedene Studien: „Gäste, die ihren Urlaub in nachhaltigen Hotelkonzepten verbringen, sind bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Das ist ein interessanter Aspekt für Hoteliers, die in die Holzbauweisen investieren wollen“, so der Experte und stellt weiter fest: „Österreich ist in der nachhaltigen Hospitality World weltweit führend. Holzbauten und Innenausstattungen aus Holz sind dafür ein wichtiges Element und gehören auf jeden Fall gefördert.“ Für Handwerker zusätzlich von Interesse ist der Punkt, dass sich Gäste gerne ein Stück des „holzigen“ Urlaubsfeelings mit nach Hause nehmen und verstärkt in entsprechende Einrichtungen investieren.

Eine Vision wird wahr

Malis Garten
Ein Hotel ganz aus Holz: Diese Vision haben Christina Binder-Egger und Reinhard Binder mit ihrem Hotel Malis Garten, geplant von Matteo Thun, im Zillertal umgesetzt. © MalisGarten

„Für das Holzhandwerk und die Hotellerie ergeben sich großartige Synergien. Holz steht für Wärme, für Wohlgefühl, für „zu Hause“ und auch für Design. Diese Werte gehören zur DNA der Hotellerie und sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass Gäste sich bestmöglich erholen“, bestätigt Christina Binder-Egger. Sie hat sich gemeinsam mit ihrem Mann Reinhard Binder mit dem Fünf-Sterne Superior Green Spa Hotel Malis Garten in Zell am Ziller – das von Gault & Millau 2024 zum österreichischen Hotel des Jahres gekürt wurde – einen Traum erfüllt: Ein Hotel ganz aus Holz. Es wurde in Massivholzbauweis vom Architekten und Designer Matteo Thun geplant und setzt auf Fichte und Lärche im Außenbereich, Zirbe, Nuss und Weißtanne im Inneren. Die Fachleute von Binderholz Bausysteme haben die Ideen bautechnisch umgesetzt, Innenarchitektur und Ausführung stammen vom Innenarchitekten Harald Margreiter sowie vom Einrichtungshaus Wetscher in Fügen.

Umsetzung vor Ort

„In unseren Hotels haben wir alle Tischlerarbeiten an heimische Betriebe vergeben. Wenngleich unser Architekturbüro seinen Sitz in Mailand hat, so war es für uns klar, dass die Umsetzung vor Ort stattfinden muss. Wir haben die Fertigungsbetriebe immer wieder persönlich besucht und uns die Fortschritte angesehen. Auch konnten verschiedene Fragen, die während eines großen Projektes auftauchen, schnell und unkompliziert geklärt werden“, so Binder-Egger weiter. Hoteliers seien „Getriebene“, wenn es um Investitionen geht. „Gäste wollen laufend Neuerungen sehen und spüren. Hier kommt uns der Holzbau sehr entgegen, weil er immer zeitlos ist. Dennoch ist unsere Branche gezwungen, die sich verändernden Bedürfnisse der Gäste zu erfüllen. Damit müssen laufende Modernisierungen in den Betrieben stattfinden. Die Zusammenarbeit mit heimischen Tischlereien sehen wir als sehr großen Benefit.“

Aus Hotelier-Sicht sind für Binder-Egger neben einem fairen Preis-Leistungsverhältnis eine gute Beratung sowie das Eingehen auf die Ideen und Wünsche von Architekten und Bauherren Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. „Es braucht oft sehr individuelle Lösungen und – sofern Modernisierungen ohne Innenarchitekt umgesetzt werden – auch eine gute Planung mit und durch die Tischlerei. Hierfür sind vorab Visualisierungen sehr hilfreich, damit man sich vorstellen kann, wie die Räume nach Fertigstellung wirken.“

Klein gegen groß?

„Der Tourismus ist eine Branche, die sehr regional investiert und gerne auf in der Region ansässige Handwerksbetriebe setzt“, sagt auch Thomas Reisenzahn. Die Größe des zum Zug kommenden Tischlereibetriebes hängt in der Regel vom Bauvolumen ab. Aber auch das ist nicht in Stein gemeißelt. So habe man bei Prodinger Tourismusberatung eine Wertschöpfungsstudie für ein bekanntes Ressort nahe Kitzbühel durchgeführt und sei erstaunt gewesen, wie kleinteilig die „Holzinvestitionen“ verteilt wurden. Allgemein berichtet Reisenzahn aus seinen Erfahrungen, dass in einem Umfeld von 80 Kilometern rund 70 Prozent der Investitionen getätigt werden.“ Laut Reisenzahn wurde in den letzten beiden Jahren vor allem in die Qualitätsverbesserung der Zimmer investiert, auch öffentliche Räume wie Gastronomie und Lobby standen und stehen im Fokus – und das quer durch alle Hotelkategorien.

Höhere Gäste-Fluktuation

Neben Designtrends beeinflusst auch die Aufenthaltsdauer die Entwicklungen in der Hotelausstattung: „Die Tendenz geht zu kürzeren Aufenthalten. Das bedeutet für die Häuser, dass es für eine gute Auslastung ein Mehr an Gästen braucht. Dieser Umstand geht wiederum an die Substanz der Immobilie und der Inneneinrichtung. Und daran müssen sich auch die Materialien – insbesondere die Oberflächen – anpassen“, appelliert Thomas Reisenzahn an das Handwerk, diesen Umstand schon in der Planung unbedingt zu berücksichtigen. Die Veränderungen im Reiseverhalten verlangen von Gastgeber*innen und ausführenden Firmen zudem ein hohes Maß an Flexibilität. Das kann z. B. weniger fixe Einbauten, dafür modulare und mobile Einrichtungen bedeuten, da diese ein Umstellen, Auswechseln etc. einfacher ermöglichen.

Anleihen beim Yachtausstatter

Für eine optimierte Inneneinrichtung nimmt man sich gerne den Schiffsbau zum Vorbild. Hier müssen Räume auf wenig Platz das Maximum an Aufenthaltskomfort bieten. Eigentlich logisch ist der Punkt, dass das Hotelangebot und die Zimmerausstattung auf den Urlaubstyp abgestimmt sein müssen: Stehen der Aktiv- und Freizeitbereich im Fokus, braucht es mehr Fläche und Ablagen für z. B. Schi- und Radhelme, Platz für die Sportgeräte im oder außerhalb des Zimmers, Trocknungsmöglichkeiten für Sportkleidung etc.. In der Stadt- oder Businesshotellerie, wo die Aufenthaltsdauern kürzer sind, gelten wieder andere Gesetze. Ein Punkt, in welchem Reisenzahn großen Aufholbedarf sieht, sind Arbeitsbereiche, Stichwort „Workation“: „In Homeoffice-Zeiten wird das Segment Arbeiten im Hotelzimmer immer wichtiger.“

Hotelpartnerschaft Werkraum Bregenzerwald: Eine starke Beziehung

Alois Berchtold
„Die Hotelpartnerschaft des Werkraums Bregenzerwald ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie sich durch gezielte Kooperationen Synergien für Tourismus und Handwerk nachhaltig nutzen lassen“ sagt Alois Berchtold, Vorstandsmitglied im Werkraum Bregenzerwald. © Werkraum Bregenzerwald

Bei der Wahl der regionalen Partner stehen ein wertschätzendes Miteinander und das Wissen um die gleichermaßen hohen Qualitätsansprüche im Zentrum. Genau diese „Zutaten“ sind es, auf die man im Bregenzerwald mittlerweile seit Jahrzehnten erfolgreich setzt: Auch wenn hier Traditionen gelebt und gepflegt werden wie selten in Österreich, verwehren sich die Bregenzerwälder dem Fortschritt nicht – ganz im Gegenteil. Die Architektur beispielsweise ist ein internationales Vorbild, das jährlich Scharen an Interessierten anzieht.

Zur Stärkung der Beziehung zwischen Handwerk und Hotellerie trägt der 1999 gegründete Verein Werkraum Bregenzerwald in Andelsbuch zur Förderung von Handwerk und Baukultur mit seinem Modell der Hotelpartnerschaft bei. „Die Veranstaltungen des Werkraums wie Ausstellungen, Führungen, Wettbewerbe und Weiterbildungen ziehen pro Jahr rund 10.000 Personen an. Und diese möchten dann auch adäquat nächtigen, speisen und trinken. Hier sind unsere Hotelpartner die ersten, die wir empfehlen. Unser Ziel ist es, Kooperationen einzugehen, die für beide Seiten eine Win-Win-Situation darstellen. Die Hotelpartnerschaft fördert die regionale Gast- und Handwerkskultur und rundet das Kollektiv in idealer Form ab“, erklärt Alois Berchtold. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins, als „Hauptgeschäft“ führt er gemeinsam mit seinen Brüdern die Zimmerei und Tischlerei Berchtold in Schwarzach.