Wifo-Analyse

Preisdruck bremst den Aufschwung aus

Wirtschaftswachstum
13.09.2021

Von: Redaktion Handwerk + Bau

Laut Wifo setzte der Wirtschaftsaufschwung so unerwartet und kräftig ein, dass die Produktion nicht nachkommt. Der Materialmangel behindert fast ein Drittel der heimischen Industriebetriebe, was die Dynamik des Aufschwungs verringert.

Der kräftige Wirtschaftsaufschwung führt in Folge zu einem starkem Lagerabbau und beträchtlichen Materialengpässen, was den Konjunkturmotor abbremst.

Die Weltwirtschaft hat sich seit dem Frühjahr 2021 unerwartet schnell und kräftig erholt. Die rasche Konjunkturerholung bringt aber nicht nur Jubelstürme, sondern auch Kopfweh. Die Produktion hinkt der Konjunktur hinterher, die Lagerbestände schmelzen und die Folge sind Lieferengpässe. Das führt zu beträchtliche Preissteigerungen, die dem Aufschwung einen ordentlichen Dämpfer verpassen.

Laut Analyse des Österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (Wifo) macht der Materialmangel bei der Produktion rund 32 Prozent der heimischen Industriebetriebe zu schaffen. Zum Vergleich: Der langjährige Durchschnitt dieses Problems liegt bei 7,5 Prozent und bei normalen Aufschwüngen sind davon nicht mehr als 15 Prozent der Betriebe betroffen. Dazu kommt, dass sich die Preise für Industrierohstoffe von April 2020 bis 2021 auf Dollarbasis mehr als verdoppelt haben. In den Krisenmonaten davor, also von Jänner bis März 2020 sind die Preise jedoch nur um 14 Prozent gesunken.

Rationierungen werden zum Bremsklotz

Knapp die Hälfte der österreichischen Industriebtriebe planen daher ihre Verkaufspreise zu erhöhen. In den letzten 15 Jahren lag der Durchschnitt jeweils nur bei 7,2 Prozent. Neben den Preiserhöhungen sind es aber vor allem die Rationierungen aufgrund der Lieferengpässe, die Sand ins Getriebe streuen. So steigen beispielsweise in der KfZ-Branche, trotz eines Nachfragebooms, aufgrund des Mangels an Halbleitern (Mikrochips) die Anmeldungen zur Kurzarbeit.

Grundsätzlich sind die meisten Unternehmen in Bezug auf ihre Geschäftslage optimistisch. Die Zuversicht hat sich im Laufe des Sommers aber sukzessive eingetrübt, auch wenn der kräftige Aufschwung noch zu spüren ist. Im Vergleich zum ersten Quartal 2021 wuchs in Österreich die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 3,6 Prozent. Gemessen am EU-Raum (+ 2,2%) also besonders rasch, was aber nicht an der Industrie, sondern an den Wertschöpfungsgewinnen im Gastgewerbe liegt. Im Juli 2021 wurde bereits das BIP-Niveau vor Ausbruch der Covidkrise überschritten, Mitte August lag es bereits um 1,5 Prozent darüber. Als Folge des Nachfragebooms und des eingeschränkten Angebots stieg die Verbraucherpreisinflation in Österreich laut Schnellschätzung von Statistik Austria zuletzt auf über 3 Prozent. (ar)